Aktualisiert am 29/08/2009

ie Welt entdecken - das war mein Wunsch, als ich mich nach meinen Abitur in das Abenteuer stürzte, für 9 Monate einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Ecuador zu leisten. Nach der Schule wollte ich etwas ganz anders machen als Lernen, neues erfahren, andere Kulturen, Landschaften und Menschen sehen, mich selber in neuen Situationen ausprobieren und kennen lernen. Deswegen habe ich mich entschieden, als Lehrerin an einer kleinen Dorfschule in den Anden zu arbeiten. Hier unterrichte ich Kinder von 5 - 12 Jahren in Englisch, Kunst, Sport und Musik.
Als ich anfing, mir über den Auslandsaufenthalt Gedanken zu machen, stand auch noch ein Au-Pair- oder Praktikumsjahr in Frankreich oder Spanien in Frage, aber da hab e ich mich gegen entschieden. Zum einen, weil der Lebensstandard sich dort kaum von meinem gewohnten unterschieden hätte - ich wollte ja was ganz andreres kenne lernen - und zum anderen, weil mein Aufenthalt dort außer mir selber kaum jemandem etwas gebracht hätte. Für mich wäre es zwar schön und wahrscheinlich auch leichter gewesen als es hier ist, aber ob ich da ein Praktikum gemacht hätte oder nicht, hätte dort sonst kaum jemanden interessiert. Hier in den Anden, im Bergdorf Cambugán, ist das Leben in meiner Gastfamilie viel einfacher und der Standard um vieles niedriger (nur kaltes Wasser, ein Bett aus Strohmatten auf dem Boden und täglich Reis und Kartoffeln), aber ich kann etwas bewirken. Allein mit ein wenig Englischunterricht und er Zeit, die ich mir für die Kinder nehme, kann ich ihnen schon unheimlich viel geben - vor allem das Gefühl, etwas wert zu sein.
Das Gefühl, etwas wert zu sein ist das, was vielen Kindern hier fehlt. Beim Arbeiten im Haus und auf dem Feld müssen sie schon früh viel Verantwortung übernehmen, aber sonst kümmert sich kaum jemand um sie. Das zu sehen ist nicht immer leicht, aber ist schön, für sie da sein und ihnen helfen zu können. Durch andere Unterrichtsmethoden (die Lehrerinnen machen nur Frontalunterricht) und spielerisches Lernen versuche ich, ihnen mit Erfolgsmomenten im Unterricht wieder mehr Selbstvertrauen zu geben. Nachmittags nach der Schule freuen sie sich total ,wenn ich einfach für sie da bin, mit ihnen spiele oder ihnen zuhöre, wenn sie erzählen.
Das ist ein schönes Gefühl und es hilft den Kindern sicher schon, wenn ich mir Zeit für sie nehme, aber leider gibt es auch Probleme, wo Zeit und Fürsorge alleine nicht mehr reichen - in der Schule zum Beispiel. Die Lehrerinnen versuchen aus dem, was sie haben das Beste zu machen, aber doch fehlt es an vielem: Die Kinder arbeiten mit Bleistiften, so klein wie ihr eigener kleiner Finger, schreiben auf Tischen, die so wackeln wie der Tungurahua* und lernen mit Material, das so aussieht, als hätte es auch schon den ein oder anderen Vulkanausbruch miterlebt. Das alles in einem Klassenraum, wo es so durch die Fenster zieht, dass man das Gefühl hat, auf einem der höchsten Vulkane zu stehen, zugleich aber auch im feuchten Regenwald stehen könnte, weil es durch die gleichen auch rein regnet. Das Essen (ganz einseitig immer Reis und Kartoffeln) schlürfen die Kinder nach der Schule auch im Regen draußen aus ihren Tellern (bzw. essen wie kleine Räuber mit schmutzigen Händen) denn es gibt weder einen Essensraum noch Löffel.
Das zu sehen ist nicht leicht und ich würde gerne helfen, kann aber da ich für meine Arbeit hier kein Geld bekomme nicht viel machen. Um Menschen, die genau so gerne helfen möchten und über mehr Mittel verfügen, die Möglichkeit zu geben, die Kinder zu unterstützen, werde ich auf dieser Homepage die Schule und mögliche Projekte vorstellen - in der Hoffnung dass ich nicht die einzige Person bleibe, die FREUNDE IN CAMBUGAN hat! :)
Linda Pracejus
*aktiver Vulkan Ecuadors
Zu den Helferseiten
Wegen der positiven Reaktionen und Ergebnisse, haben wir uns überlegt, auch anderen Helfern die Möglichkeit zu geben, auf eigenen Seiten ihre Projekte vorzustellen und evtl. dort auch um Unterstützung zu werben. So kann also jeder, der demnächst ins Ausland geht, eine ähnliche Seite wie diese bekommen. Sie oder er können darauf eigene Projekte vorstellen und deren Umsetzung dokumentieren. Das Portal für Helfer-Webseiten ist unter www.helferseiten.de zu erreichen.
Linda Pracejus & Bernd Mehrtens
29/08/2009